Offen oder gebunden? Ganztagesschule im Fokus

Ein großer Bericht von Uli Kaiser über den Informationsabend der CSU Burghausen zum Thema Ganztagsschule. Fotos zur Veranstaltung sind hier zu finden.

Aus dem Burghauser Anzeiger vom 01. Dezember 2015

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Informations- und Diskussionsabend der CSU in Burghausen mit Bildungs-Staatssekretär Georg Eisenreich

Burghausen. Der Themenkomplex „Gebundene und offene Ganztagesschule“ stand im Mittelpunkt einer Informations- und Diskussionsveranstaltung im Bürgerhaus, gemeinsam ausgerichtet vom Kreis- und Ortsverband der CSU. Bildungs-Staatssekretär Georg Eisenreich informierte die 50 Zuhörer, die Staatsregierung steigere ihre Ausgaben für Bildung permanent: Seien es 2008 noch 8,6 Milliarden Euro gewesen, könnten die Schulen jetzt auf 11,6 Milliarden Euro zurückgreifen. „Trotz der niedrigsten Schülerzahlen verzeichnen wir den höchsten Stand an Lehrern. Das wird auch bis 2018 so bleiben“, sagte er.

„Ich kann mich noch gut erinnern, als wir mit der Weiß-Ferdl-Grundschule vor knapp zehn Jahren begannen. Das war ein immenser Aufwand in allen Bereichen“, betonte MdL Ingrid Heckner. Heute werde das Angebot auf alle Schularten ausgedehnt. Der wesentliche Unterschied ist, dass die Schüler in der gebundenen Form diese Variante über das ganze Schuljahr durchhalten müssen. Das Angebot läuft von Montag bis Donnerstag bis jeweils 16 Uhr. „Der Besuch ist verpflichtend, weil der Lernrhythmus ein anderer ist“, so Eisenreich. Das offene Angebot wird vom Staat bezuschusst, hat aber nichts mit dem reinen Bildungsauftrag zu tun. Die gleichen Lernziele werden, wie früher üblich, nur vormittags vermittelt „Ein Bildungsnachteil zur gebundenen Form entsteht nicht“, antwortete Eisenreich auf die Frage des Burghausers Martin Unterstaller, der zwei kleine, aber noch nicht schulpflichtige Kinder hat.

Die offene Form biete Eltern und Schülern viele Möglichkeiten. Vor allem könne dieses Angebot, das von freien Trägern umgesetzt wird, auch an einzelnen freien Schultagen wie dem Buß- und Bettag oder in den Ferien angeboten werden. Schließlich haben Schüler deutlich mehr frei als ihre Eltern. Angelika Weiß, Leiterin der Mittelschule in Burgkirchen, merkte an, dass es schwer sei, schon ein halbes Jahr vorher die Gruppen anzumelden. In einer solch langen Zeit könne sich viel ändern. Über die Anmeldungen berechnet sich der jeweilige Zuschuss.

„Wichtig ist, dass die Kinder das offene Angebot mindestens zwei Tage pro Woche mitmachen müssen. Diese Teilnehmer werden so bezuschusst wie diejenigen, die das Angebot zur Gänze nutzen“, unterstrich Eisenreich. Er wies darauf hin, dass die Zuschüsse vom Kultus- und vom Sozialministerium getragen würden. In diesem Bereich liege die Hauptlast beim Sozialministerium, weil hier die Jugendhilfe eine entscheidende Rolle spiele. Im gesamten Ganztageskomplex für Schulen funktioniere das Zusammenspiel zwischen den Kommunen und Schulen in 70 Prozent der Fälle sehr gut. Die Kommunen kümmerten sich um den zusätzlichen Raumbedarf. Zudem könnten diese auch viele Verwaltungsakte übernehmen, für die Schulen nicht aufgestellt seien. Dazu zähle der gesamte Bereich der Elternbeiträge für die offene Ganztagesschule.

Aus dem Auditorium kam noch der Hinweis, dass diese Beiträge für manche Eltern nur schwer leistbar seien. Eisenreich erläuterte, dass die Staatsregierung ein kombiniertes Modell beschlossen habe. Das bedeute, dass die Entscheidung über Elternbeiträge vor Ort getroffen werde. Die Mittagsbetreuung sei im Gegensatz hierzu keine staatliche Aufgabe.

Christoph Unterhuber, Lehrer am Aventinus-Gymnasium Burghausen, schilderte eindringlich, dass das Angebot in seiner Schule nicht besonders gut angenommen wird. „Das liegt auch am Alter der Schüler, die sich natürlich schon selbst beschäftigen können.“ Das konnte auch der Staatssekretär bestätigen und stimmte Unterhuber zu, dass bei den Zeiten am Nachmittag eine gewisse Flexibilität zugestanden werden müsse. Norbert Englisch merkte an, dass es schwierig sei, geeignetes Personal für die Betreuung zu finden. Diese stelle vor allem ein Problem für die Grund- und Mittelschule dar. „In diesem Bereich sind wir auf einem guten Weg. Es gibt viele Möglichkeit zur Weiter- oder Umqualifizierung“, so Georg Eisenreich abschließend. Für ihn war die Botschaft wichtig, dass das Ganztagesangebot weiterhin auf Freiwilligkeit der Eltern beruhe. Eine Pflicht für schwierigere Gruppen werde es nicht geben. „Insgesamt haben wir durch die gute Zusammenarbeit zwischen Politik, Schulen, Eltern und Kommunen, die im Vorfeld dieses Angebots realisiert wurde, die höchstmögliche Akzeptanz erreicht“, rundete Eisenreich seinen Vortrag ab.uli 

- Christian Konnerth