Trauer um einen lieben Chef

CSU-Mitglied und ehemaligen Werkleiter der Wacker Chemie Rolf Sieber ist vergangenen Samstag im Alter von 90 Jahren an den Folgen einer langwierigen schweren Krankheit gestorben. Dr. Sieber kam 1971 vom Wacker Werk Köln nach Burghausen, wo er Werkleiter wurde. 1972 trat er der CSU bei und wurde im gleichen Jahr in den Stadtrat gewählt, dem er bis 1996 angehörte. Von 1978 bis 1990 war er Fraktionssprecher der CSU. Am 3. Mai findet Rolf Sieber seine letzte Ruhestätte auf dem Burghauser Friedhof.

Aus dem Burghauser Anzeiger vom 30. April 2016

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Der frühere Wacker-Werkleiter Dr. Rolf Sieber ist seiner Krankheit erlegen

Burghausen. Er war ein beliebter Chef, intelligent und kompetent und zugleich mit dem nötigen Quäntchen menschlicher Wärme ausgestattet: der frühere Wacker-Werkleiter Dr. Rolf Sieber. Vergangenen Samstag ist der 90-jährige Diplomchemiker an den Folgen einer langwierigen schweren Krankheit gestorben.

Bis zuletzt hat Sieber seinen Charme und seine Lebensfreude erhalten, hat sich für Gesellschaft und Politik interessiert und aus seinen reichen Erfahrungen der Kriegsjahre nicht nur als Ehrenvorsitzender der Krieger- und Soldatenkameradschaft viele Impulse gegeben, sondern auch der nachwachsenden Generation.

Rolf Sieber stammte wie auch seine Ehefrau Inge aus Schwäbisch Gmünd. „Meine ganze Schulklasse meldete sich freiwillig für den Kriegseinsatz“, erzählte er später gern, wenn es darum ging zu zeigen, wie Träume junger Menschen im Krieg zermahlen worden sind. Sieber erlebte schlimme Einsätze auf dem Balkan, hatte selbst aber immer Glück und die ihn letzten Endes rettende Eingebung, sich für die Laufbahn als Sanitätsoffizier zu melden. „Das hat mir das Leben gerettet“ sagte er selbst in der Erinnerung an den Krieg.

Zurück im Frieden nach 1945, wollte er zunächst Medizin studieren, entschied sich dann aber für die Chemie. Nach der Promotion liebäugelte er mit der Uni und wollte Professor werden, aber dann warb ihn Degussa für seine Patentabteilung ab. Die Familie zog nach Köln, wo auch Tochter Felicitas und Sohn Christoph geboren wurden. Zwischenzeitlich war Rolf Sieber zu Wacker gewechselt, und im Jahr 1971 zog die Familie nach Burghausen, wo seither ihr Lebensmittelpunkt ist.

Beruflich ging es steil nach oben. Schon ein Jahr später, 1972 wurde Sieber Werkleiter und übte diese Funktion bis 1976 aus. Fachliches Können und Selbstsicherheit verbanden sich bei ihm mit menschlicher Wärme, und so blicken das Unternehmen Wacker wie auch die Mitarbeiter gern auf diese Jahre zurück. Danach kümmerte er sich um strategische Unternehmensplanung und war auch über die 65 Jahre hinaus noch für sein Unternehmen tätig.

Sieber war begeisterter Skifahrer und Golfer. Als das altersbedingt nicht mehr ging, setzte er sich ans Keyboard und wurde Hobbymusiker, wobei seine Frau Schlagzeug spielte. Und als der Körper nicht mehr mitmachte, im Denken ist Rolf Sieber immer jung geblieben.

Vor über zehn Jahren hat er im Rahmen einer Krebsbehandlung eine Strahlenbelastung über sich ergehen lassen müssen. Die Krankheit wurde besiegt, aber die Mediziner sagten ihm schon damals Auswirkungen der Bestrahlung ein Jahrzehnt später voraus. Sie behielten leider Recht: Es entwickelte sich eine weitere Krebskrankheit, an deren Folgen Sieber nun gestorben ist.

Rolf Sieber engagierte sich besonders in der Krieger- und Soldatenkameradschaft, war lang deren Vorsitzender und seither EhrenvorsDr. Rolf Sieber kam 1971 vom Wacker Werk Köln nach Burghausen, wo er Werkleiter wurde. 1972 trat er der CSU bei und wurde im gleichen Jahr in den Stadtrat gewählt, dem er bis 1996 angehörte. Von 1978 bis 1990 war er Fraktionssprecher der CSU.itzender. Als Mahnung gegen den Krieg hat er sein Kriegstagebuch in einem Buch veröffentlicht. Aus der Sicht des kleinen Soldaten hat er den Zweiten Weltkrieg porträtiert, den Wahnwitz der NS-Führung und der damaligen Kriegsziele entlarvt.

Am 3. Mai findet Rolf Sieber seine letzte Ruhestätte auf dem Burghauser Friedhof.rw 

- Christian Konnerth