Ein Jubiläumsabend im Zeichen der Zeit

Bericht zur Jubiläumsfeier anlässlich des 70-jährigen Bestehens des CSU Kreisverbands Altötting. An den Feierlichkeiten im Neuöttinger Stadtsaal nahm auch eine Abordnung der CSU Burghausen teil.

Aus dem Burghauser Anzeiger vom 21. November 2015

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Dankbar rückwärts, mutig vorwärts, gläubig aufwärts: CSU Kreisverband Altötting feiert 70-jähriges Bestehen – Gedenken an Frankreich

Altötting. Das runde Jubiläum des Altöttinger Kreisverbandes der CSU am Mittwochabend im Neuöttinger Stadtsaal war im Gedenken an die Opfer von Paris am vergangenen Freitag ein ruhiges, ja fast andächtiges. „Zu viel Geschichte wollen wir heute gar nicht machen“, sagt Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Ingrid Heckner, „zu herausfordernd sind die aktuellen Aufgaben“, mit Blick auf die Tagespolitik. Denn es gibt viel zu tun für die Mandatsträger der CSU aus dem Landkreis: Parteitag in München jetzt am Wochenende, Integrationsmanagement im Landratsamt oder Hilfe vor Ort in einem Flüchtlingslager im Libanon, wo der Bundestagsabgeordnete Tobias Zech noch vor wenigen Tagen war (siehe auch Seite 20). Begonnen hatte die Feier des Kreisverbandes, der sich nur acht Tage nach der ersten konstituierenden Sitzung von christlich-sozialen Kräften in München am 20. September 1945 gründete, mit einer gemeinsamen Andacht in der Neuöttinger Klosterkirche.

Als Festrednerin war die Europaabgeordnete Dr. Angelika Niebler gekommen, die dem Landkreis in vielfacher Hinsicht eng verbunden ist, unter anderem über ihre Aufgaben im einflussreichen Europa-Ausschuss „Industrie, Forschung und Energie“, in dem sie sich für die hiesigen Chemieunternehmen und damit für viele Arbeitnehmer in der Region einsetzt. „Ich erinnere mich noch gut daran, als mir Frank Springer, der heute leider nicht mehr unter uns weilt, diesen Saal hier noch voll Stolz vor seiner Eröffnung gezeigt hat“, sagte die 52-Jährige. Und mit derartigen Beispielen ermutigte sie ihre Parteifreunde, auch „in Zeiten wie diesen, die uns in unseren Grundfesten erschüttern, immer authentisch für die Bürger da zu sein“. Denn es reiche nicht mehr, wie in Zeiten von Franz Josef Strauß, die Menschen vor die Wahl irgendwelcher Beschlüsse, Parteiprogramme oder Agenden zu stellen, sondern jeder Einzelne müsse als Person authentisch sein und etwas für die Bürger tun. „Ich erlebe in Brüssel beispielsweise oft das Unverständnis darüber, wie es im für sich alleine genommen siebtgrößten Staat der EU möglich ist, politisch und demokratisch so einig zu sein“, sagte die Politikerin, „doch dass wir hier so sicher und friedlich leben können, ist unser Verdienst als CSU“.

Ein wenig Geschichte wurde dann doch noch gemacht, indem einige ehemalige Kreisvorsitzende auf ihre Zeit im Amt zurückblickten. Fritz Harrer erinnerte sich beispielsweise daran, dass der Kreisverband, als er Ende der 1960er Jahre begann mit anzupacken, in einem desolaten finanziellen Zustand war. Doch dank des Zutuns aller, konnte sich nicht nur der Kreisverband stabilisieren, sondern Harrer wurde auch Landtagsabgeordneter und später Bürgermeister von Burghausen. Ebenso blickte Stefan Jetz dankbar auf seine Zeit als Kreisvorsitzender zurück, die ihn ebenfalls in den Landtag führte. Er wusste eine ganze Reihe von Anekdoten zu erzählen, die dazu geeignet waren, das durch die Vorfälle von Paris und die Ausnahmesituation der letzten Monate im Allgemeinen bedrohte Selbstverständnis der Anwesenden aufzuheitern.

Als letztes sprach in dieser Reihe Landrat Erwin Schneider zu den Parteifreunden, der das Amt des Kreisvorsitzenden 1999 und 2000 bekleidet hatte, bevor er dann Landrat wurde. Neben ebenfalls einigen erheiternden Details, wurde er dann durchaus wieder ernster: In seiner Funktion als Landrat habe er momentan sehr viel mit der Integration von Flüchtlingen zu tun, sagte er. Und so willkommen diese Menschen auch im Sinne der christlichen Nächstenliebe seien, „so müssen wir uns klar vor Augen führen, dass der radikale Islamismus die Wurzel all dieser Probleme ist“, vor dem es sich zu schützen gelte. „Wir müssen uns vor Augen führen, dass Schengen klar gescheitert ist, und überhaupt, dass Europa am Auseinanderbrechen ist, wenn nicht bald was unternommen wird“, richtete er als kritische Adresse an Festrednerin Angelika Niebler.

Im weiteren Verlauf des Abends gab es dann noch eine Tombola und musikalische Unterhaltung. Gstanzln der Geschwister Kainzmaier sowie die Schladlmusi ließen das 70. Jubiläum des Kreisverbandes ausklingen.pbj 

- Christian Konnerth