Raitenhaslacher Kultur soll jährlich laufen

Der erste Kultursommer in Raitenhaslach wird aufgrund der Wetterkapriolen kontrovers diskutiert. Dritter Bürgermeister Norbert Stranzinger lobt die Veranstaltung und die Location, spricht sich aber aus statischen Gründen und der zu erwartenden Lärmbelastung bei Starkregen gegen eine Überdachung aus. „Eher geeignet wäre seinen Worten nach der ehemalige Kuhstall der Klosterökonomie, der ohnehin hergerichtet werden sollte.“

Aus dem Burghauser Anzeiger vom 9. August 2016

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Bürgermeister Hans Steindl will nach den nassen Erfahrungen eine Überdachung für Zuschauer einrichten

Burghausen. Der erste Kultursommer in Raitenhaslach ist gelaufen. Hat es zu Beginn mit Quadro Nuevo in Strömen geregnet, so endete nun am Wochenende die Veranstaltungsreihe mit einem sonnigen Schlussmoment am Samstag und Sonntag. Auch mit 74 Jahren sorgten Aushängeschilder hintergründig bayerischen Humors für ausverkauftes Haus. Jeweils 600 Stühle waren für die Veranstaltungen mit Gerhard Polt und den Well-Brüdern aufgestellt. Die Besucher erlebten einen fantastischen Abend. Einziger Wermutstropfen: Als sich die Wells über das körperliche Gebrechen von Landrat Erwin Schneider lustig machten, empfanden das die meisten nicht lustig, sondern daneben.

Zu den Zahlen: Insgesamt gab es zehn Veranstaltungen, die mit Ausnahme der letzten mit 400 Sitzplätzen ausgelegt waren. Die Besucherzahl betrug abhängig vom Wetter bei den ersten acht Abenden zwischen 280 und 350. Am meisten setzte der in diesem instabilen Sommer besonders reiche Regen den Abenden mit Quadro Nuevo und Claudia Koreck zu, Christian Springer wurde ins Bürgerhaus ausquartiert. Beim Auftaktkonzert entschied 2. Bürgermeisterin Christa Seemann ein Ausweichen in den Steinernen Saal. Bürgermeister Hans Steindl hatte allerdings die Order ausgegeben, notfalls in die Pfarrkirche auszuweichen. „Diese Musik hätte durchaus in die Kirche gepasst“, ist Steindl überzeugt.

Dem starken Regen nicht gewachsen erwies sich beim Auftaktkonzert die von der Stadt angeschaffte Bühne. Denn aufgrund der großen bogenförmigen nach oben fliehenden Öffnung regnete es kräftig rein. D.D. Lowka, Bassist von Quadro Nuevo, brachte das Problem auf den Punkt: „Wir Musiker dürfen schon nass werden, aber die Instrumente halten das nicht aus.“ Zudem bestand ja auch Gefahr eines Kurzschlusses in elektrischen Leitungen.
Bürgermeister Hans Steindl will den Raitenhaslacher Kultursommer entgegen früheren Überlegungen künftig jedes Jahr veranstalten und plant neben einem verbesserten Bühnenschutz auch gleich einen Regenschutz für die Zuschauer. „Wir könnten durch eine Überspannung wie am Bichl oder am Mühldorfer Haberkasten 400 Sitzplätze regensicher machen“, so Steindls Überlegung. Der Hof sei nicht so breit, das müsste mit Zugseilen machbar sein. Eine Firma am Chiemsee leiste da sehr gute Arbeit. Des Bürgermeisters Fazit nach diesem ersten Kultursommer: „Eine Überdachung wäre sinnvoll. Wir werden diese Option jetzt prüfen und umsetzen, wenn sie nicht zu teuer ist.“

3. Bürgermeister Norbert Stranzinger sieht das anders. „Der Kultursommer war sehr erfolgreich, der Ort hervorragend geeignet, das Ambiente wunderbar. Die Bühne kann sicher nachgerüstet werden, aber bevor wir eine Überdachung anschaffen, sollten wir mehr Erfahrungen sammeln. In zwei bis drei Jahren können wir das immer noch tun und dann wissen wir, wie sich der Konzertsommer entwickelt.“ Ein Zelt aufzustellen, davon halten weder Steindl noch Stranzinger etwas. Stranzinger sieht auch wenig Sinn, bei Schlechtwetter in die Kirche auszuweichen. Eher geeignet wäre seinen Worten nach der ehemalige Kuhstall der Klosterökonomie, der ohnehin hergerichtet werden sollte.

Falls eine Überdachung Realität werden sollte, ist dazu erst einmal eine Untersuchung durch Statiker erforderlich. Denn die Zuglasten dürften erheblich sein, abgesehen von dem Problem, wie die Lärmbelastung durch aufprasselnden Regen bei einem Konzert gelöst und wohin der Regen geleitet werden kann. Danach wird darüber ohnehin erst der Stadtrat entscheiden, vermutlich nicht allein: Denn auch der Denkmalschutz dürfte hier gewichtig mitreden.

Bürgermeister Hans Steindl will jedenfalls den Kultursommer zur festen jährlichen Einrichtung machen mit vielleicht nur sechs oder sieben Gruppen, die verschiedene Schwerpunkte abdecken und die hierher passen. Bei Gerhard Polt und den Well-Brüdern treffe das voll zu. „Ich habe ihnen noch unsere Museen gezeigt und wir waren auch am Wöhrsee. Die sind gern hier.“

Die großen Konzerte auf der Burg im Sommer, die einen weiteren Besucherkreis ansprechen, sollen im Turnus von zwei Jahren erfolgen.rw 

- Christian Konnerth