Portrait Fritz Harrer: Besuch beim „Glückspilz“

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Anlässlich seines 85. Geburtstags suchten die Vorstandsmitglieder Gretl Schiedermaier (r.) und Eberhard Tzschoppe (l.) Altbürgermeister Fritz Harrer (Mitte) auf und befragten ihn nach seinem Leben.

— Von Gretl Schiedermaier und Eberhard Tzschoppe

Fritz Harrer – Jahrgang 1930 – ist ein geborener Münchner, wuchs aber wegen der Kriegswirren in Peißenberg auf. Schon früh musste er lernen, sich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen: Arbeit in der Kohlengrube, Schreinerlehre und schließlich das nachgeholte Abitur. Nach der Ausbildung zum Postmeister kam er schließlich 1961 mit seiner Frau nach Burghausen.

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Abitur 1951, Fritz Harrer (Mitte) hält die Kommers-Festrede, daneben Oberstudiendirektor Pöllinger (Domgymnasium Freising)

Harrer_Fritz_FJSHier galt es viel Aufbauarbeit zu leisten in einer Zeit, in der die Eilbriefe noch mit dem Fahrrad zugestellt wurden. Seine erfolgreichen Bemühungen brachten dann den Aufstieg in den gehobenen Dienst zum Oberpostmeister.

 

Den Einstieg in die Politik bedeutete die Wahl zum Schriftführer und 1966 sein erstes Mandat als Stadtrat. Als CSU-Kreisvorsitzender hatte er in der turbulenten APO-Zeit oft schwierige Versammlungen zu genehmigen oder zu veranstalten – inklusive Bombendrohungen und Protesten bei Franz Joseph Strauß-Auftritten.

 

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Als Vorsitzender der CSU Burghausen begrüßt Fritz Harrer (l.) 1966 Bundeskanzler Ludwig Erhard (r.) bei einem Besuch Burghausens mit dem Stimmkreis-Bundestagsabgeordneten Josef Bauer (Mitte), Wasserburg.

1970 erfolgte erstmals der Sprung in den Bayerischen Landtag, dem Fritz Harrer 14 Jahre ununterbrochen angehörte. 1984 gab er sein Mandat auf, um in Burghausen die Nachfolge des schwer erkrankten Bürgermeisters Georg Miesgang anzutreten. Er blieb Bürgermeister bis zum Jahr 1990.

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Rede im Landtag, Sitzung unter Landtagspräsident Rudolf Hanauer (hinten)

Seit 1980 Träger des Bayrischen Verdienstordens fühlte sich Fritz Harrer auch nach seiner Amtszeit verpflichtet, in Sachsen beim Aufbau der neuen Landratsämter mitzuhelfen. Für Hobbies blieb auch jetzt noch wenig Zeit, denn er engagierte sich auch bei der Entstehung von neuen Kontakten mit Partnerstädten, besonders in Fumel. Außerdem galt seine Sorge auch stets seiner großen Familie: 6 Kinder, 17 Enkelkinder und inzwischen auch 2 Urenkel.

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Landtagsabgeordneter Harrer bei der Erholung mit Yoga – zusammen mit den Kindern Gerburg und Thomas (1972)

Auf die Frage nach seinen größten Enttäuschungen nennt der Jubilar zum einen die Privatisierung der Post und zum anderen die Aufhebung des Bayrischen Senats. Und was hat ihm am meisten Freude gemacht? Er ist glücklich, dass er durch seine guten Beziehungen und die enge Verbindung zur Regierung sowohl vielen auch privat helfen konnte, als auch manches Projekt auf den Weg brachte, z.B. die Fortbildung der Sprachlehrer im Ausland.

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Zehn Jahre Partnerschafsfeier (1985) (v.l.) mit Alt-Bürgermeister Georg Miesgang, Bürgermeister Paul Mauvezin (Fumel), 4 Bürgermeister der übrigen vier Partnergemeinden, Bürgermeister Fritz Harrer und Partnerschaftsreferent Bernhard Kaes.

Fritz Harrer nimmt man sein Alter nicht ab, seine Energie ist erstaunlich und er erzählt so lebendig, dass man gerne lange zuhört.


 

Fritz Harrer zu den Anfängen der Post in Burghausen:

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Oberpostmeister Harrer bei der Grundsteinlegung für das Neustadtpostamt durch Postminister Richard Stücklen (1968)

Wir hatte viel Arbeit. Überstunden wurden nie gezählt. Für Paketzustellung hatten wir 3 Postautos. Um die Pakete in der Reihenfolge der Zustellung auszulegen, war keine Halle da. Sie mussten im Posthof ausgelegt werden, bei Regenwetter im Gang des Postamtes. So haben wir zunächst eine Teilüberdachung des Posthofes beantragt und bekommen. Der Eilzusteller hatte nur ein Moped. Für  ihn bekamen wir den 1. Pkw.

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- Christian Konnerth