Mehr Anschlussleistung nur auf dem Papier

Ernst Haller von der Breitbandberatung Bayern berät den Stadtrat. Den Fachmann in den Stadtrat einzuladen, geht auf einen Vorstoß von 3. Bürgermeister Norbert Stranzinger zurück. Er warf speziell der Telekom vor, in ihren Angeboten Leistungen zu versprechen, die dann nicht gehalten werden.

Aus dem Burghauser Anzeiger vom 18. April 2017


Stadträte kritisieren nicht haltbare Zusagen von Netzbetreibern – Weiße Flecken aufspüren

Burghausen. Die Netzbetreiber rüsten auf – insbesondere verbal. Den Kunden werden hohe Anschlussleistungen für ihr Internet versprochen, die Realität weicht dann oft davon ab, weil das Netz die versprochene Leistung nicht zulässt. Um etwas mehr Klarheit zu bekommen, hatte der Stadtrat zu seiner vergangenen Sitzung Ernst Haller von der Breitbandberatung Bayern eingeladen. Die Quintessenz des Fachmanns: Abwarten und dann prüfen, was der jetzt laufende Ausbau tatsächlich bringt, danach „weiße Flecken“ suchen und untersuchen, ob hier der Ausbau mit Hilfe staatlicher Zuschüsse sinnvoll ist.

Eines machte Haller auch gleich klar. Ein flächendeckender Ausbau mit Glasfaser im gesamten Stadtgebiet bleibt auf lange Zeit noch Wunschtraum. Denn die Kosten dafür bezifferte er auf 9 bis 11,5 Millionen Euro, wobei die Materialkosten lediglich gut eine halbe Million betragen würden.

Kabel TV habe derzeit 400 Mbit im Angebot, die Telekom komme mit dem Vektoring der Kupferleitungen auf 100 Mbit, mit einer Weiterentwicklung sogar auf 250 Mbit. Wie die tatsächlichen Leistungen im Einzelfall sind, hänge von Entfernungen und dem Bau von Mobilfunkmasten ab. Auch an Kupferkabeln lasse sich noch viel verbessern.

Die Stadt könne noch für weitere 640 000 Euro mit staatlichen Zuschüssen den Netzausbau anschieben. Für rund 200 000 Euro etwa könnten im westlichen Stadtbereich 25 bis 30 Gebäude schnelleren Anschluss erhalten. Das heißt: ein Anschluss kostet rund 7000 Euro. Die Stadt sollte deshalb auch prüfen, ob mit einer solchen Summe durch Investieren im Kernbereich mehr Wirkung erzielt werden könnte.

Messungen an Schaltpunkten

Die Stadt will ihre Bürger auch davor schützen, von Anbietern über den Tisch gezogen zu werden. Wie Haller deutlich machte, kann die konkrete Anschlussleistung schon geprüft werden. So eine Messung dauert zwei Monate und kostet 2500 Euro. Bürgermeister Hans Steindl betonte: „Das werden wir übernehmen. Wir sehen es als Aufgabe der Stadt, an bestimmten Schaltpunkten solche Messungen vorzunehmen. Solch punktuelle Messungen geben uns auch Aufschluss, wo wir noch ,weiße Flecken’ im Netz haben.“ Den Fachmann in den Stadtrat einzuladen, geht auf einen Vorstoß von 3. Bürgermeister Norbert Stranzinger zurück. Er warf speziell der Telekom vor, in ihren Angeboten Leistungen zu versprechen, die dann nicht gehalten werden. „Die Leute bekommen einen neuen Zweijahresvertrag, und nichts ändert sich“, bemängelte er. Auch Stadtrat Peter Schacherbauer stellte die Frage, ob die zugesagte Leistung beim Kunden ankomme, oder nur am Schaltkasten gemessen werde. Denn die Spannbreite sei groß, reiche in den Angeboten von 50 bis 100 oder von 160 bis 400 Mbit.

Stranzinger wies zudem auf Besonderheiten in der Altstadt wie sehr dicke Mauern hin: „Die Leute wollen konkret wissen, ob eine höhere Anschlussleistung, für die sie mehr Gebühr bezahlen, auch real ankommt. Sie brauchen Beratung, ob und was sie im Haus umbauen müssen.“ Die grundsätzliche Aussage von Haller, wobei es immer auch Besonderheiten gebe: Bei bestehenden Kupferleitungen reiche die Verdrahtung aus. Bei Glasfaser müssen die Leitungen bis zum Router gehen, um einen Engpass im Haus zu vermeiden.

In Neubaugebieten werden schon jetzt stets Leerrohre für Glasfaserkabeln verlegt. Wie Bürgermeister Steindl zudem betonte, habe die Telekom bei ihrem eigenen Ausbau Verzögerungen hinnehmen müssen. „Ich erwarte erhebliche Verbesserungen nach Fertigstellung im Juli“ sagte er. Offen gelassen hat der Stadtrat, ob er für die Steuerung des Ausbaus einen Berater wie Ernst Haller beauftragen und bezahlen will.rw

- Christian Konnerth