Keine Wirtschaftsschule auf der Burg

Der Burghauser Stadtrat lehnt die Umsiedlung der Wirtschaftsschule von Burgkirchen auf die Burghauser Burg ab. Befürwortet wurde der Umzug vom 1. Bürgermeister Hans Steindl und der CSU-Fraktion. „Die CSU ist für die Wirtschaftsschule“, schloss CSU Fraktionssprecher Paul Kokott. „Wir wollen den Kindern in Burghausen weitere Wahlmöglichkeiten geben.“ Grund für die Ablehnung ist die Angst um die bestehende Mittelschule und Realschule in Burghausen. Obwohl die Wirtschaftsschule nur 20 Schüler pro Klasse haben sollte, fürchten die Burghauser Stadträte um Abwanderung von Schülern aus den bestehenden Schulen.

Aus dem Burghauser Anzeiger vom 11. Dezember 2015

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Burghauser Stadtrat lehnt Vermietung des leerstehenden Athanor-Gebäudes ab – „Schule steht auf der Kippe“

Burghausen. Der Burghauser Stadtrat hat in seiner Sitzung am Mittwoch ein eindeutiges Zeichen gesetzt: Die Stadtväter wollen mehrheitlich keine Wirtschaftsschule haben. Gegen acht Befürworterstimmen – Bürgermeister Hans Steindl und der Großteil der CSU-Fraktion – wurde deren Umsiedlung von Burgkirchen auf die Burg 27b ins ehemalige Gebäude der Theaterakademie Athanor abgelehnt.

Grund für die Ablehnung ist die Angst um die bestehende Mittelschule und Realschule in Burghausen. Obwohl die Wirtschaftsschule nur 20 Schüler pro Klasse haben sollte, fürchten die Burghauser Stadträte um Abwanderung von Schülern aus den bestehenden Schulen.

Schon in Vorfeld war die Diskussion durchaus hitzig geworden. Besonders Stadtrat und Leiter der Grundschule Norbert Englisch und Carlo Dirschedl, der Leiter der Berufsschule und Wirtschaftsschule, waren mit ihren sehr gegensätzlichen Meinungen aneinander geraten. Auch im Stadtrat konnte die Entscheidung nicht ohne Emotionen fallen. Dirschedl appellierte vor der Abstimmung an das Gremium, der Wirtschaftsschule als „kleine, aber feine Bildungseinrichtung“ auf der Burg eine Chance zu geben. Er betonte, dass die Schule ein überregionales Angebot sei, die Burghauser Schüler würden nur einen kleinen Teil ausmachen. Tatsächlich zeigen die Zahlen der letzten Jahre, dass nur sehr wenige Burghauser Schüler ( gar keiner bis maximal vier) in die Wirtschaftsschule nach Burgkirchen gingen.

Die Angst, dass sich das bei einem Standortwechsel aber ändern könnte, saß bei den Stadträten offenbar tief. Norbert Englisch sprach für die SPD-Fraktion, die sich geschlossen gegen den Umzug nach Burghausen aussprach. „Es geht nicht nur um die Vermietung einer Immobilie“, sagte er im Stadtrat. „Wir müssen entscheiden: Wollen wir eine zusätzliche Bildungseinrichtung in Burghausen oder nicht?“ Die zusätzliche Schule gefährde die Eigenständigkeit und Qualität der Mittelschule. Man habe zudem ein Überangebot im kaufmännischen Bereich, so Englisch. Dagegen sei in der Region der technische Bereich mehr nachgefragt, den die Wirtschaftsschule jedoch nicht abdecke.

Dieser Argumentation schlossen sich die anderen Fraktionen bis auf die CSU an. Vor allem, dass die Stadt in den letzten Jahren viele Millionen in Umbau und Ausstattung der Franz-Xaver-Gruber Mittelschule investiert hat, war ein Argument, kein Risiko für die Schule einzugehen. Die Unabhängigen Wähler Burghausen sind zudem überzeugt, dass die Burg nicht der richtige Standort für eine Wirtschaftsschule ist.

„Irritiert“ über die Emotionalität der Debatte war Stadtrat Paul Kokott als Sprecher der CSU-Fraktion. Er hoffe nicht, wandte er sich an Norbert Englisch, dass hier SPD-Politik auf dem Rücken der Kinder gemacht werde. Hier werde ein „Schreckgespenst“ aufgebaut, da von einer Gefährdung der bestehenden Schulen bei einer so kleinen Wirtschaftsschule keine Rede sein könne. „Die CSU ist für die Wirtschaftsschule“, schloss Kokott. „Wir wollen den Kindern in Burghausen weitere Wahlmöglichkeiten geben.“
Auch Bürgermeister Steindl hätte die Schule gerne auf der Burg gesehen – zumal sich dann die lange Suche nach einem Mieter erledigt hätte. Eine Wirtschaftsschule passe zum „Bildungsstandort Burghausen“, meinte Steindl noch vor der Abstimmung. „Hier wird eine Chance verspielt.“

Emotional wurde die Debatte im Stadtrat auch, als es um die Rollen von Landrat Erwin Schneider und Landtagsabgeordneter Ingrid Heckner ging. Im Kreistag entscheide offenbar der Landrat zusammen mit Ingrid Heckner alleine, kritisierte Norbert Englisch. „Hier in Burghausen haben wir eine andere demokratische Kultur.“ Schneider solle die Bodenhaftung wieder gewinnen: „Er fragt nicht einen Bürgermeister, sondern einen Stadtrat.“

Landrat Schneider kontert: „Burghausen ist wohl der einzige Ort, den ich kenne, der die Ansiedlung einer Schule ablehnt.“ Der Landkreis werde nun nach einem anderen Standort in der Salzachstadt suchen, sofern das Kultusministerium in München grünes Licht gibt für den Weiterbetrieb der Wirtschaftsschule bzw. deren Ausweitung von einer Drei- auf eine Vierzügigkeit. Dabei macht Schneider keinen Hehl daraus: „Die Schule steht auf der Kippe. Und die aktuelle Diskussion wird nicht beflügelnd sein in München.“

Das Staatliche Schulamt war in die Verlagerungsidee von Burgkirchen nach Burghausen von Anfang an involviert, gegenüber der Heimatzeitung gibt sich dessen Leiter Harald Kronthaler zurückhaltend: „Die Entscheidung über die Vermietung eines Gebäudes trifft die zuständige Kommune.“ Und ob die Wirtschaftsschule im Landkreis weitergeführt wird, darüber befinde das Kultusministerium: „Wenn wir gefragt werden, werden wir eine Stellungnahme abgeben.“ Zur Diskussion bezüglich der Beschulung von Kindern aus Migrantenfamilien, die Grundschule-Rektor Norbert Englisch im Hauptausschuss ins Rollen gebracht hatte, erklärt Kronthaler salomonisch: „Unsere Grund- und Mittelschulen haben sich immer der Aufgabe gestellt, alle Schüler bestmöglich zu unterrichten – egal wie deren sozialer und ethnischer Hintergrund ist.“cts/ecs 

- Christian Konnerth