Ein Burghauser Urgestein

Gustl Geith, das älteste Mitglied der CSU Burghausen wird anlässlich seines 90. Geburtstags mit einem großen Bericht im Burghauser Anzeiger geehrt.

Aus dem Burghauser Anzeiger vom 08. Januar 2016

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Gustl Geith wird am heutigen Freitag 90 Jahre alt – Unternehmer, Heimatforscher und G’schichterlschreiber

Burghausen. „Mehr Burghausen geht in einen Menschen nicht hinein“, sagt er über sich selbst. Und bei diesem Satz schwant dem geneigten Burghauser schon, von wem hier die Rede ist – Gustl Geith. Am heutigen Freitag wird der Unternehmer, Ehrenvorsitzende des Gewerbeverbands, heimatgeschichtliche Autor und mit der Goldenen Ehrennadel der Stadt ausgezeichnete Bürger 90 Jahre alt. Im Salettl bei Georg Reisinger empfängt er am Vormittag seine vielen Gratulanten. Nicht dabei sein kann Bürgermeister Hans Steindl. Er wird aber Gustl Geith am morgigen Samstag besuchen und ihm persönlich gratulieren.

09In der Tat: Gustl Geith liebt diese seine Stadt, in der er nach eigenen Worten eine wunderschöne Kindheit mit abenteuerlichen Spielplätzen zwischen Zwingermauern und Salzach erleben durfte. Er ist schon von Geburt her ein originales Burghauser Gewächs. Denn er kam noch im elterlichen Haus am Stadtplatz zur Welt. Dort am Scharfen Eck betrieben seine Eltern Albert und Anna Geith einen Getränkehandel, den später sein älterer und inzwischen verstorbener Bruder Albert übernahm. Gustl Geith bekam seinen ersten Burghauser Schliff bei den Englischen Fräulein, bei denen er dann auch als Ministrant in der Institutskirche tätig war und noch heute darauf stolz ist, einer der wenigen gewesen zu sein, die die Altargebete lateinisch perfekt sprechen konnten.

Gustl Geith war und ist bis heute ein kluger Kopf, ein Mensch, der einen wachen Blick für die Geschehnisse und ein phänomenales Gedächtnis hat. Das kam ihm später zugute, als er in in seinen beiden Büchern und zahllosen G’schichterln alte Erinnerungen für die Nachwelt festgehalten hat.
In der Volksbank in den Grüben machte er seine Lehrzeit, sattelte danach aber der Liebe wegen um, als er Elisabeth Mühlbauer heiratete und deren Vater verlangte, er müsse Bäcker werden. So wurde Gustl Geith Bäckermeister in der Neustadt, übte das Handwerk aber nur einige Jahre aus. Sein wacher Sinn fürs Geschäftliche erkannte früher als andere, dass der Trend kleiner Bäckereien zu Ende ging. 1956 richtete er eine Münzwäscherei ein und baute Zug um Zug eine eigene Wäscherei mit Vollservice auf.

Schon früh engagierte sich Gustl Geith zudem in Ehrenämtern. Er war Mitbegründer des Burghauser Haus- und Grundbesitzervereins und wurde 1966 zum Vorsitzenden des Gewerbeverbands gewählt. Unter seiner Regie wurden die bis heute wirkenden wesentlichen Weichen gestellt. Der Werbering wurde gegründet, die Mai-Wies’n initiiert und der Wochenmarkt eingerichtet. Und als Burghauser Unternehmer keine Grundstücke bekamen, legte der Gewerbeverband den Grundstein für das heutige Mehringer Gewerbegebiet in Hohenwart. „Das war eigentlich eine Steilvorlage zur Eingemeindung von Mehring, aber das hat Burghausen damals versäumt“, denkt Gustl Geith bis heute.

Er war und blieb nicht nur hier ein Quergeist, der nicht nach Erlaubnis fragte, wenn er etwas für richtig und wichtig erachtete. So führte er in Betrieben Schnupperlehren ein, wurde deshalb vom Arbeitsamt Pfarrkirchen wegen unerlaubter Vermittlung von 13 Lehrlingen verklagt. „Drei Jahre später bekam ich auch dafür das Bundesverdienstkreuz“, erinnert er sich an den guten Ausgang seines unbotmäßigen Handelns.
Zwölf Jahre saß Gustl Geith von 1972 an im Stadtrat, war auch Kreisrat und Mitbegründer einer Bürgerinitiative für die Burghauser Altstadt. „Wir konnten 72 Fassaden herrichten, haben acht Betriebe gewonnen“, erinnert er sich.

Zwei Kinder sind den Eheleuten Geith geschenkt worden. Sohn Alexander hat die Wäscherei übernommen und ist als Gewerbeverbands-Vorsitzender auch hier in die Fußstapfen des Vaters getreten. Tochter Gabriele lebt mit Familie in München. Dem Opa gratulieren fünf Enkelkinder.
Gesundheitlich geht es Gustl Geith gut. Er selbst gibt sich da jedenfalls einen glatten 2er und führt das auch auf ein diszipliniertes Leben zurück: Auf das Gewicht achten, nicht rauchen und saufen, sondern genießen – lautet sein Rezept. Dazu immer Bewegung bei Verzicht auf Leistungssport und vor allem „eine tüchtige Frau an der Seite, die einen auch einmal vom Sockel holt“.

Wichtig nennt Gustl Geith neben ausreichendem Schlaf auch eines: „Keinem Ärger aus Schiss aus dem Weg gehen, aber prüfen, ob der Ärger den Einsatz wert ist. Man muss aufhören können, wenn man merkt, dass es nichts mehr bringt. Und Anbiedern und Anschleimen mag ich gar nicht.“
Gustl Geith fühlt sich auch mit 90 Jahren gesund und wohl, bedauert nur eines: „Der Bekanntenkreis wird klein. Viele liebe Weggefährten und gerade Menschen, denen man als junger Spund viel zu verdanken hatte, leben nicht mehr.“rw 

- Christian Konnerth