Der Hort steht bei Eltern hoch im Kurs

Dritter Bürgermeister Norbert Stranzinger fordert einen runden Tisch für die betroffene Elternschaft in Burghausen. „Wir müssen den Bedarf unbedingt abfragen, damit wir auch weiterhin eine gute Versorgung anbieten können“, erklärt Stranzinger.

Aus dem Burghauser Anzeiger 16. Dezember 2016

Die Ankündigung der Stadt, das Angebot einzuschränken, löst Diskussion im Stadtrat aus

Burghausen. Hort oder Ganztagsschule – diese Frage stellt sich für berufstätige Eltern und Alleinerziehende. Bisher hat sich die Mehrheit für den Hort entschieden, obwohl die Eltern dafür Gebühren bezahlen müssen, während die Ganztagsschule kostenfrei ist. Der Grund liegt vor allem darin, dass die Betreuung im Hort bis in den Abend hinein möglich ist, während der Betrieb in der Ganztagsschule am späten Nachmittag endet. Hinzu kommt die Regelung in den Ferienzeiten. Doch da soll auch die Betreuung in den Ganztagsklassen ausgebaut werden.

Bürgermeister Hans Steindl hat im November angekündigt, ein oder zwei Hortgruppen aufzulösen. Derzeit gibt es in Burghausen fünf solche Gruppen mit jeweils 25 Kindern. Hintergrund ist der steigende Bedarf an Kindergartenplätzen. „Wir haben das Angebot der Ganztagsklassen, müssen dem Rechtsanspruch der Eltern auf einen Kindergartenplatz nachkommen. Das hat Vorrang, der Hort ist eine freiwillige Leistung der Stadt, die wir zu Gunsten von Kindergartenplätzen beschränken sollten, argumentierte Steindl in der Novembersitzung des Stadtrats.

In der Dezembersitzung am Mittwoch wurde die Thematik nun erneut diskutiert. 3. Bürgermeister Norbert Stranzinger griff den Punkt auf und sprach von Unsicherheit unter den Eltern. Er regte eine Informationsveranstaltung an, um „Licht ins Dunkel“ zu bringen. Auch in Fachkreise der Firmen werde die Thematik diskutiert. „Wir haben sehr helles Licht in Burghausen“, konterte Bürgermeister Steindl und führte aus: Ende Januar werde er sich wie alle Jahre mit den Kindergarten-Leitungen treffen, um die Situation zu besprechen. Anfang Februar werde die Krippe im Pfarrhof Liebfrauen fertig, bis zum Herbst entstehe dort zudem eine zweite Krippe. Hatte Steindl im November noch von einer oder zwei Hortgruppen gesprochen, die in reguläre Kindergarten-Gruppen umgewandet werden sollen, so ging er jetzt davon aus, dass nur eine Hortgruppe betroffen ist. „Wir wollen die Horte nicht grundsätzlich in Frage stellen“, stellte der Bürgermeister zudem heraus.

Runder Tisch im Januar angeregt

Familienreferentin Doris Graf beschwichtigte: „Keiner mus Angst haben. Jeder, der einen Hortplatz braucht, wird ihn auch bekommen. Gleichwohl griff sie den Gedanken Stranzingers auf und sprach sich für einen runden Tisch im Januar aus. Stadtrat Norbert Englisch informierte über die Verbesserungen im Angebot der Ganztagsklassen. Die Betreuung laufe inzwischen bis 16 Uhr und zum Teil bis 16.30 Uhr. Bereits jetzt gebe es die Betreuung auch in vier Ferienwochen. Sie könnte eventuell noch um ein bis zwei Wochen ausgedehnt werden. Englisch erklärte sich auch bereit, eine detaillierte Zusammenstellung des Angebots für die Eltern zu machen.

Stadträtin Anna Spindler lobte die hohe Qualität der Ganztagsklassen, wies aber auch darauf hin, dass ein Betreuungsende 16.30 Uhr für die meisten Berufstätigen zu früh sei. Der Bürgermeister wies auch auf die Kosten hin, die diese Betreuung verursache. „Allein durch die Ausdehnung der Betreuungszeiten geben wir 60 000 Euro mehr im Jahr aus.“ Die Stadt leiste auch anderweitig mehr als die meisten Kommunen. So übernehme die Stadt das gesamte Betriebskostendefizit in den Kindergärten. Personell sei die Kinderbetreuung bestens organisiert. „Wir haben ganz wenig Fluktuation beim Personal, haben erfahrene Leute und zudem leisten wir uns Praktikantinnen.“rw 

- Christian Konnerth