„Das Ehrenamt kann nicht die Weltpolitik schultern“

Die CSU Burghausen konnte hochkarätige Redner zum alles bestimmenden Thema Flüchtlingskrise im Gasthaus Tiefenau begrüßen. Der Tenor: es wird von der Landes- und Bundesregierung zu spät reagiert und die Gemeinden müssen die Probleme vor Ort mit Hilfe der vielen ehrenamtlichen Helfer bewältigen. Die Landräte Erwin Schneider (Landkreis Altötting) und Franz Meyer (Landkreis Passau) berichteten dabei aus erster Hand. MdL Martin Huber gab Eindrücke der CSU-Klausurtagung in Wildbad Kreuth wieder und 3. Bürgermeister Norbert Stranzinger legte die Lage in Burghausen dar.

Aus dem Burghauser Anzeiger vom 26. Januar 2016

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Fackelwanderung der Burghauser CSU mit dem Passauer Landrat Franz Meyer

Burghausen. Die Fackelwanderung der Burghauser CSU in die Tiefenau stand dieses Mal im Zeichen der alles beherrschenden Flüchtlingskrise, die Bayerns Landkreise zu überfordern droht. Passaus Landrat Franz Meyer unterstrich aber auch: „Man hat den Eindruck, es gebe nur ein einziges Thema. Dabei haben wir viele andere wichtige politische Aufgaben, die mit größter Sorgfalt erledigt werden müssen.“

3. Bürgermeister Norbert Stranzinger ging auf die Flüchtlingssituation in Burghausen ein. Wenn die neue Sammelunterkunft im Gewerbegebiet Lindach fertig ist, beherberge die Stadt etwa 500 Flüchtlinge. „Rund 80 Bürger helfen mehrfach pro Woche ehrenamtlich mit. Insgesamt sind zwischen 300 und 400 in die Integrationsarbeit eingebunden.“ In den Schulen gebe es zwölf Arbeitsgruppen für Deutsch und die heimischen Unternehmen würden Flüchtlinge einbinden. Passaus Landrat Franz Meyer sprang ebenso für die Ehrenamtlichen in den Bresche, warnte aber: „Das Ehrenamt alleine kann die Weltpolitik nicht schultern.“

Laut Altöttings Landrat Erwin Schneider beherberge der Landkreis knapp 1500 Asylbewerber. Er rechnet bis zum Jahresende mit bis zu 2500. Stranzinger sah ebenfalls große Probleme in Sachen Wohnungen für anerkannte Flüchtlinge. Schneider sieht die Lage relativ gelassen: „Nach Umfragen des BAMF wollen die meisten in die Großstädte. Ich rechne damit, dass nur etwa zehn Prozent bei uns bleiben werden.“ Schon jetzt stoße laut Meyer die Integrationsfähigkeit an Grenzen. Deshalb würden Grenzschließungen und Obergrenzen gefordert.

MdL Dr. Martin Huber sprach die Sorgen der Bürger um die kulturelle Identität an. „Im letzten Jahr standen 750 000 Geburten rund 1,5 Millionen Asylsuchenden gegenüber.“ Er sprach auch religiöse Differenzen an – etwa dass in Erding der Weihnachtsbaum zerstört worden sei, weil die Asylsuchenden dieses christliche Symbol nicht wollten. „50 Prozent benötigen unsere Hilfe wirklich. 50 Prozent sind Schwindler und pure Egoisten“, umschrieb auch Erwin Schneider seine Erlebnisse. Er geht davon aus, dass die nächsten paar Monate nochmals richtig anstrengend würden, dann müsse sich etwas tun: „Eine Grenzschließung muss kommen, sonst bricht alles zusammen. Ich gehe davon aus, dass es in zwei oder drei Monaten deutlich ruhiger wird.“ uli 

- Christian Konnerth