CSU-Ortsverband blickt auf 70 Jahre

Vorbericht zur Feier „70 Jahre CSU Burghausen“ aus dem Burghauser Anzeiger vom 09. Juni 2016

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Feier am Samstag beim Auer – Warum einst Wohnsitze und Müll zum Burghauser Parteiengezänk wurden

Burghausen. Der CSU-Ortsverband feiert am Samstag 70-jähriges Bestehen. Das könnte nirgends besser geschehen als beim Auer Weißbräu in den Grüben – dort, wo sich nach dem Zweiten Weltkrieg die Männer zusammenfanden, die den Ortsverband aus der Taufe hoben. So lädt der Ortsverband am Samstag ab 16 Uhr alle Interessierten zum Festakt plus Sommerfest ein. Für Musik ist auch gesorgt – mit der Imphäusl Musi. Und für die politischen Töne sorgt die CSU natürlich selbst. Die ehemaligen noch lebenden Ortsvorsitzenden werden jeweils einen kleinen kurzen Rückblick geben.

Eigentlich ist die CSU in Burghausen schon über die 70 hinaus. Wann genau die Geburtsstunde schlug, ist heute nicht mehr ganz klar. Verbürgt ist nach den Worten des jetzigen Vorsitzenden Bernhard Harrer aber, dass es schon am 31. Oktober 1945 im Café Winklmeier am Stadtplatz eine Versammlung gab und Ulrich Schmid erster Vorsitzender des Ortsverbands war. Harrer selbst geht davon aus, dass der Ortsverband bereits am 10. Oktober 1945 gegründet worden ist. CSU-Mitglieder gab es in dieser Zeit jedenfalls schon. In den Unterlagen findet sich eine Beitrittserklärung von Wolfgang Schmid vom 22. Oktober 1945.

Die erste Kommunalwahl nach Kriegsende im Januar 1946 ging für die CSU zufriedenstellend aus. Die Partei stellte sieben Stadträte. Unmittelbar nach Kriegsende hatten die Amerikaner den dann der CSU angehörenden Hans Stiglocher zudem als Bürgermeister eingesetzt. Mit Franz Huber stellte die Partei auch den Bürgermeister bis 1948. Die Zeit danach war schwierig, weil auch die Bayernpartei mit ähnlichen Zielen um die gleiche Wählerschicht kämpfte.

18 Jahre „Regierung“ mit Georg Miesgang

Am Ende setzte sich die offenere und moderne CSU durch, auch deshalb, weil es in den 50er Jahren gelang, den klerikalen Einfluss zurückzudrängen. Die CSU stand für Aufbruch und Erfolg. In Burghausen ging das Rathaus aber erst einmal verloren, dort zog der SPD-Mann Georg Schenk ein. Erst 1966 gelang es dem CSUler Georg Miesgang, dieses Amt zu erobern. Miesgang blieb bis 1984 im Amt. Mit seinem Nachfolger Fritz Harrer blieb das Rathaus in CSU-Hand bis 1990, als sich der SPDler Hans Steindl durchsetzte und bis heute die „rote Burg“ verteidigt hat.

Streit zwischen den beiden großen Parteien gab es immer wieder. Wie der damalige Stadtrat Josef Nachmann zum 40-jährigen Bestehen des Ortsverbands im Jahr 1986 notiert hat, wurde 1952 dem späteren Bürgermeister Georg Miesgang das aktive Wahlrecht von der SPD bestritten, weil er ja am Oberlandesgericht in München arbeitete. Als Miesgang 1984 als Bürgermeister ausschied, aber für seine Partei als Stimmenbringer im Stadtrat wichtig war, wollte ihm die SPD die Kandidatur wiederum verbieten lassen mit dem Hinweis, Miesgang wohne in Österreich. Gleiches musste sich dann 2008 Christoph Unterhuber sagen lassen, wobei Unterhuber beklagte, dass Mitarbeiter des Landratsamts sogar seinen Müll begutachtet hätten. Miesgang durfte kandidieren, Unterhuber nicht. Was das Thema Müll betrifft, so legte vor der Wahl 1990 ein JU-Mitglied der eigenen Partei ein faules Ei, als der junge Heißsporn den Müll des SPD-Kandidaten Hans Steindl durchsuchte, um die Diskussion über Mülltrennung und Müllverbrennung zu befeuern. Die Aktion des Einzelgängers schadete der CSU sehr.

In besten Zeiten 240 Mitglieder

Was die Mitgliederzahl betrifft, so hatte die CSU ihre besten Jahre nach der Jahrtausendwende. Bis zu 240 Mitglieder zählte da die Partei. Derzeit sind es 180. Wenn sich heute die Schwesterparteien CDU und CSU vor allem in der Vorgehensweise zur Flüchtlingsproblematik uneins sind, so erinnert das viele Parteimitglieder an die Debatte nach dem Kreuther Trennungsbeschluss 1976, als Franz Josef Strauß mit einer bundesweiten Ausdehnung der CSU drohte. Das hat damals die Partei stark beschäftigt, erinnert sich Ortsvorsitzender Bernhard Harrer und erzählt ein Beispiel: „Der damalige 2. Bürgermeister Kurt Gugel war im Auto nach Altötting unterwegs, auf dem Beifahrersitz saß Dr. Dieter Reinkowski. Der stammte aus Köln und sagte Gugel unumwunden, bei einer Trennung werde er zur CDU gehen. Daraufhin konterte Gugel spontan mit einer Trennung dergestalt, dass Reinkowski aus dem Auto steigen und zu Fuß weiter gehen solle. Gugel hielt an, beide saßen einige Zeit und schwiegen sich an. Reinkowski stieg nicht aus. Damit war für die Burghauser die Trennung vom Tisch.“rw 

- Christian Konnerth