Burghauser feiern 25 Jahre Deutsche Einheit

Dritter Bürgermeister Norbert Stranzinger und CSU-Stadtrat Rupert Bauer waren Teil der Burghauser Delegation zur Feier der Deutschen Einheit in der sächsischen Partnerstadt Hohenstein-Ernstthal.

Aus dem Burghauser Anzeiger vom 06. Oktober 2015

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Delegation in der sächsischen Partnerstadt Hohenstein-Ernstthal zu Gast– Festakt am 3. Oktober

Hohenstein-Ernstthal/Burghausen. Selten hatte in den letzten 25 Jahren eine offizielle Einladung in Burghausens sächsische Partnerstadt Hohenstein-Ernstthal einen so ernsthaften und gleichzeitig geschichtlich-historischen Hintergrund wie die zum dreitägigen Jubiläumstreffen „25 Jahre Deutsche Wiedervereinigung“. Doch trotz dieses besinnlichen Rahmens um den 3. Oktober herum entwickelten sich die Tage in Hohenstein-Ernstthal eher zu einem großen und herzlichen Familienfest.

Die Ursache dafür wurde allen Teilnehmern sehr schnell klar: Trafen sich doch die Vertreter der drei westdeutschen Partnerstädte der Gastgeber aus Bayern (offiziell seit 2002), Baden-Württemberg (Hockenheim, seit 1990) und Nordrhein-Westfalen (Rheinberg, seit 1990), die auch in der Vergangenheit schon manche bilateralen Kontakte hatten. Zum Beispiel war eine Gruppe aus Hockenheim schon zu Gast in Burghausen. So bewährte sich dieses städtepartnerschaftliche Alleinstellungsmerkmal Hohenstein-Ernstthals auch beim Ablauf des reichhaltigen, perfekt organisierten Programms.

Es begann am Freitag mit der Begrüßung der rund 100 auswärtigen Gäste durch Oberbürgermeister Lars Kluge im Kameradschaftsraum der Freiwilligen Feuerwehr bei einem rustikalen Imbiss. Da gab es die ersten herzlichen Umarmungen mit den Kameraden der FFW, die mehrfach schon in Burghausen waren. Anschließend folgte im örtlichen Kino ein Film „25 Jahre deutsche Einheit, 25 Jahre Städtepartnerschaften“ mit Höhepunkten aus Treffen der vier Städte. Der Film war gemeinsam von Stadt und dem Regionalfernsehen aufwendig produziert worden und wird auch bald in Burghausen zu sehen sein.

Bereichert wurde der Abend mit einer Lehrstunde für „Leipziger Sächsisch“ durch eine regional sehr bekannte Kabarettistin. Wenige der Nichtsachsen unter den Zuhörern hätten die Abschlussprüfung bestanden, war der Eindruck der Burghauser. Der Samstag begann mit einer ausführlichen Rundfahrt durch alle Stadtteile, die die wirtschaftlichen und finanziellen Anstrengungen und Probleme der vergangenen 25 Jahre vor Augen führte. Dies wurde besonders deutlich bei der Besichtigung der Hüttengrund-Oberschule – ein sächsisches Mittelding zwischen der bayerischen Mittelschule und Realschule. Insgesamt wurde in den 25 Jahren ein dreistelliger Millionen-Betrag investiert.
Am Nachmittag erfolgte eine Besichtigung der Anlagen der Renn- und Trainingsstätte „Sachsenring“. Für 3. Bürgermeister Norbert Stranzinger und Klaus Ulm ergab sich noch hinreichend Zeit, eine Zusammenarbeit mit dem Vorstand Ronny Krübel des SV Sachsenring und passenden Abteilungen einzuleiten.

Dann begann der feierliche Partnerschaftsabend mit musikalischem Auftakt durch das Jugendblasorchesters Hohenstein-Ernstthal, der Begrüßung durch OB Lars Kluge, sowie den Grußworten der Gast-Bürgermeister nebst Geschenke-Austausch und ihren jeweiligen kulturellen Beiträgen. Diese reichten von Filmbeiträgen über Tanzgruppen bis zum Musikschul-Jazz-Ensemble. Burghausen zeigte den „Image-Film“ der Stadt. Während die Bürgermeister der beiden Jubiläums-Städte, Dieter Gummer (Hockenheim) und Hans-Theo Mennicken (Rheinberg), überwiegend die wichtigsten Kontakte der Vergangenheit Revue passieren ließen, wählte Hans Steindl einen ganz anderen Inhalt.

Als Geschichts- und Sozialkunde-Lehrer am Aventinus-Gymnasium habe er bewusst die Klassenreisen vor dem Schulabschluss über viele Jahre nicht ins beliebte Rom, sondern – nicht immer zur Freude der Schüler – trotz aller bürokratischen Mühsamkeiten, aber vom Gesamtdeutschen Ministerium gefördert, in die DDR und Ostberlin unternommen. So hätte die Jugend ein persönliches Gefühl für die Unterschiede der staatlichen Strukturen aus eigenem Erleben entwickeln können. Viele seien ihm heute dafür dankbar.

Und einen zweiten Gedanken baute Steindl in sein Grußwort ein: Er freue sich heute über die damalige Diskussion des Textes der Partnerschafts-Urkunde, da ja eine innerdeutsche Städtepartnerschaft Neuland war. Das im Ausland problemlose und oft verwendete Wort „Freundschaft“ hatte in den ostdeutschen Bundesländern dagegen belastende Bedeutung und musste vermieden werden. Diese Sensibilität habe man erst entwickeln müssen. Dagegen enthalte die Burghauser Urkunde eine damals noch nicht zu ahnende Bedeutung mit der abschließenden Verpflichtung, zum „Bau des wachsenden Hauses Europa beizutragen, ein neues, erweitertes Europa auf ein stärkeres Fundament zu stellen“.

Steindl überreichte als Gastgeschenk ein Bild in Öl eines Burghauser Künstlers „Blick auf Salzlände und Hauptburg von Österreich aus“. Kommentar der Burghauser: „Die armen Bürgermeister mit ihrer ständig wachsenden Amtszimmer-Galerie…“ Mit seinem damaligen Kollegen Alt-Bürgermeister Gustav Schrank (Hockenheim), mit Alt-Bürgermeister Erich Homilius und dessen damaligen Büroleiter Peter Kühn, sowie mit alten und neuen Stadträten der Partnerstadt führte Hans Steindl anschließend angeregte Gespräche. Auch die anderen Teilnehmer der Burghauser Gruppe trafen vor und nach dem Abendessen alte und neue Freunde. Insgesamt ein Abend mit nachhaltiger Wirkung, so die Gäste. red 

- Christian Konnerth