40 Jahre mit Fumel: „Es lebe unsere Freundschaft!“

3. Bürgermeister Norbert Stranzinger und Altbürgermeister Fritz Harrer nahmen am Festabend zum 40. Jubiläum der Städtepartnerschaft mit Fumel teil.

Aus dem Burghauser Anzeiger vom 21 . September 2015

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Ein bewegender Festabend zum Jubiläum der Städtepartnerschaft mit Aussichten auf eine noch lange bestehende Verbindung

Burghausen. Seit 1975 pflegen Burghausen und die französische Stadt Fumel (Region Aquitanien) eine lebendige Städtepartnerschaft. Dies wurde am Freitagabend mit 36 Gästen aus Fumel im Stadtsaal mit einem bewegenden Festabend gefeiert. Zum ersten Mal sind alle fünf Bürgermeister des Gemeindeverbundes Fumel in Burghausen gleichzeitig zu Gast gewesen. Auch dies wertete Bürgermeister Hans Steindl in seiner Rede als Zeichen, wie wichtig beiden Städtepartnern diese Freundschaft ist. Freunde, genau das sei man geworden und das war auch zu spüren und der Tenor des Abends.

„Das Ziel dieser Partnerschaft war es, nach dem Krieg mit dem Elysée-Vertrag als Grundlage, sich die Hand zu reichen, sich auszutauschen und enge Bande zu knüpfen. Und das ist zwischen Burghausen und Fumel mehr als gelungen, wenn ich bedenke, dass jede Vereinsgruppe egal ob Sport, Musik, Trachtenverein, Herzogstadt, Feuerwehr u.v.m. schon einmal in Fumel gewesen ist. Sie alle, auch die Schulen, haben diese Vision und Aufgabenstellung ernst genommen und im Bürgersinne umgesetzt“, so Steindl.

Die französische Botschaft hatte die Partnerschaft der beiden Städte wegen der Gemeinsamkeiten Burg, Fluss und florierender Industrie seinerzeit vorgeschlagen. Jetzt, 40 Jahre später, seien es die persönlichen Beziehungen, die die Länder Deutschland und Frankreich und auch die beiden Städte einen. Jean-Louis Costes sagte im Namen aller Bürgermeister Fumels: „Uns liegt diese Partnerschaft sehr am Herzen und egal was auch passieren möge, die entstandenen Freundschaften mit den Burghausern werden immer in unseren Herzen bleiben.“

Burghausens Partnerschaftsreferent für Fumel, Hans Koller, der die Aufgaben des langjährigen Referenten Uwe Kersten nach dessen Tod übernommen hat, betonte wie wichtig der enorme Einsatz um die Partnerschaft von beiden Seiten auch für den Frieden in Europa seit: „Leute, die sich kennen und schätzen, führen keine Kriege.“ Das Geld der Steuerzahler sei hier sehr gut angelegt. „Es lebe unsere Freundschaft.“

Burghausen mit magnetischer Wirkung

Martine Longuet, seit 2006 Kollers bzw. Kerstens französisches Pendant, zeigte sich ob der vielen herzlichen Worte ergriffen. Sie war 1992 erstmals mit einem Schüleraustausch in der Herzogstadt und habe sich sofort in Land und Leute verliebt und Deutsch gelernt: „Ich kenne euer Geheimnis nicht, aber wenn man einmal einen Fuß auf Burghauser Boden gesetzt hat, will man immer wieder hierher zurück. Und ich kenne mich mit Füßen aus, denn ich bin Fußpflegerin.“ Sie wünsche sich eine „goldene Hochzeit“ der beiden Städte und hoffe, diese in zehn Jahren mit allen Anwesenden feiern zu können.

Bartl Lehrhuber, derzeit kommissarischer 1. Vorsitzender des Partnerschaftsvereins (350 Mitglieder) sprach etwas Entscheidendes in der Verbindung der beiden Städte an. „Menschen haben sich auch ohne gemeinsame Sprache verstanden.“ Denn auf beiden Seiten waren und sind Sprachbarrieren da, die nie als solche empfunden worden seien. Und auch am Festabend wurde allein durch die herzlichen Gesten klar, dass dieses Bündnis auch ohne große Worte funktioniert und stabil ist. Wenngleich Ilga Förster, Französisch-Lehrerin am Aventinus Gymnasium im Ruhestand, alle Reden souverän für die insgesamt rund 110 Gäste übersetzt hat.

Insgesamt waren neun Bürgermeister (fünf Fumel, drei Burghausen) beim Festabend zugegen, sowie Altbürgermeister Fritz Harrer, der die Kontakte mit Fumel noch immer intensiv pflegt. Er war 1975 Stadtrat und erinnerte an die Gründung der Städtepartnerschaft. Wie er sagt war es eine schicksalhafte Autopanne, die alles quasi ins Rollen brachte. Nachdem der damalige Bürgermeister Georg Miesgang eine Partnerschaft mit den Franzosen zunächst verworfen hatte, setzten sich der einstige Heimatzeitungs-Redakteur Siegfried Hollstein und der damalige Vorsitzende der Herzogstadt, Max Hingerl, ins Auto, um sich selbst ein Bild von Fumel zu machen, bis ihr Wagen liegen blieb. An den beiden fuhr Claude Rücker vorbei. Ein Zahnarzt aus Fumel, der mit dem Kennzeichen AÖ etwas anfangen konnte und sofort half. Rücker, der jetzt ebenfalls zum Fest gekommen war, sollte schließlich mit Gerhard Kaes, der mit einer Französin verheiratet war, zu den Gründern dieser Städtepartnerschaft zählen. Redakteur Hollstein habe nach seiner Rückkehr entsprechend berichtet und Miesgang schließlich zugestimmt. Das ist 40 Jahre her.

Die Herzogstadt bereitete nun den Gästen mit Tanz und Bier einen herzlichen, farbenfrohen und historischen Empfang. Helmut Lorenz von der städtischen Musikschule untermalte mit Schülern den fröhlichen deutsch-französischen Abend, an dem Zwiebelsuppe, Burghauser Bier und Gwax sowie viele weitere lokale deutsch-französische Speisen und Getränke verkostet wurden.
Heute zur Abreise der Fumeler Freunde werden fünf Fahnen am alten Grenzübergang abgenommen und als „Symbol“, so Steindl, mit nach Frankreich geschickt. Der Festabend 40 Jahre Partnerschaft Burghausen-Fumel klang mit Rotwein und freundschaftlichen Gesprächen aus. Man wird sich bald wiedersehen. köx 

- Christian Konnerth