Mit Trillerpfeifen für mehr Solidarität

Am 1. Mai, am Tag der Arbeit luden die Gewerkschaften zur traditionellen Kundgebung ins Bürgerhaus ein. 3. Bürgermeister Norbert Stranzinger war natürlich vor Ort, zumal es sein erster Arbeitstag als freigestellter Betriebsrat der Wacker Chemie war.

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Aus dem Burghauser Anzeiger vom 02. Mai 2016

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Unfaire Verteilung und Steuerflucht waren die Themen auf der Mai-Kundgebung des Gewerkschaftsbundes in Burghausen

Burghausen. Ein „Aufruf zum Einmischen“ war die Mai-Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes am gestrigen Tag der Arbeit in Burghausen. Eindringlich appellierten Gewerkschaftsvertreter, aber auch ein sehr sozialdemokratisch auftretender Bürgermeister Hans Steindl an die Bürger: Es sei, entsprechend dem Motto der Kundgebung, „Zeit für mehr Solidarität“. „Wir müssen uns erinnern, dass wir gemeinsam die Mehrheit der Gesellschaft sind“, rief Hauptredner Norbert Flach von Verdi Bayern dem Publikum im Saal des Bürgerhauses zu.

Bevor der stellvertretende Landesvorsitzende von Verdi aber ans Rednerpult durfte, packte erst einmal Burghausens Bürgermeister an. Ganz im Sinne der 1.-Mai-Tradition hatte Hans Steindl einige Missstände anzuprangern. Er kritisierte scharf − und dafür gab es immer wieder spontanen Beifall –, dass die Verantwortlichen bei wirtschaftlichen Desastern wie der Landesbank-Affäre oder dem VW-Skandal für ihr Fehlverhalten nicht zur Rechenschaft gezogen werden. „Die Affäre um VW kostet Arbeitsplätze und den Steuerzahler einen zweistelligen Millionenbetrag“, sagte Steindl, „aber es wird über Bonuszahlungen für den Vorstand diskutiert.“ Sein Fazit: „Das darf man sich nicht gefallen lassen.“ Diese Defizite – auch diejenigen, die von Briefkastenfirmen in Panama verursacht werden – fehlten bei Investitionen wie Straßenbau und vor allem der Förderung von Bildung in Deutschland. Nach dieser hitzigen Rede freute sich Steindl jedenfalls auf den Sprung in den Wöhrsee beim traditionellen Anschwimmen am selben Vormittag (Bericht: Seite 29).

Anerkennung für dieses „bemerkenswerte Grußwort“ zollte Norbert Flach dem Burghauser Bürgermeister. Flach selbst dehnte das Themenfeld der Solidarität noch weiter aus und begann mit einem Thema, das die Gewerkschaften ebenfalls beschäftigt: die Flüchtlinge. Wer von der Globalisierung und der vernetzten Welt so profitiere wie der Westen, so Flach, dem müsse auch klar sein, dass andernorts bekannt wird, wo das Leben besser ist. Eine schnelle Antwort für die Frage der Integration gebe es freilich nicht, es sei aber „ziemlich abscheulich, wenn ein Bayerischer Minister Markus Söder das Recht auf Asyl in Frage stellt“ – dafür erntete Flach nicht von allen anwesenden CSUlern Applaus. Mit dem Freihandelsabkommen, Tarifverhandlungen in der Metallindustrie und im öffentlichen Dienst sowie der Alterssicherung sprach Flach auch die brennenden Themen der Zeit an. Bei der Alterssicherung kritisierte er ein Konzept, das einerseits systemfremde Leistungen finanziere, zum anderen das Geld nicht von allen gleich beschaffe. „So bekommen die Unternehmer noch mehr Geld, das die nach Panama transferieren können“, so Flach zynisch.

Engagiert zeigte sich auch die neu gewählte DGB-Kreisvorsitzende Jasmin Geltinger, die die Kundgebung leitete. Landrat-Stellvertreter Horst Krebes ging gleich mit gutem Beispiel voran und hatte mit Enkel Johannes die nächste Generation dabei, die sich für den Tag der Arbeit interessieren soll.

Dieser konnte beim anschließenden Familienfest auf dem Bürgerplatz zusammen mit vielen anderen Kindern verschiedene Spielstationen ausprobieren. Lautstarker Höhepunkt: Die Kinder-Demo mit Trillerpfeifen und roten DGB-Ratschen – früh übt sich.cts 

- Christian Konnerth